Mittwoch, Dezember 2, 2020
Nachdem ihm ein unbekannter Mann weißmachen will, dass ihm Teile seines Gedächtnisses geklaut wurden, folgt Mulder (David Duchovny) einem seiner Hinweise, nur um sicherzugehen, dass der Mann wirklich verrückt ist ... © 2018 Fox and its related entities. All rights reserved. / Shane Harvey
Akte X Staffel 11Im TV

Review: „Der Mandela-Effekt“

© 2018 Fox and its related entities. All rights reserved. / Shane Harvey

Niemand weiß genau, was die Wahrheit ist

„Der Mandela-Effekt“ ist ein absolutes Must-see für Akte-X-Fans. Die vierte Episode der Staffel 11 enthält so viel Witz und Erinnerungen an die Serie und gleichzeitig enorme Kritik an der realen Welt.

Nie war Akte X so politisch wie in Staffel 11. Fast in jeder Folge finden sich Anspielungen auf US-Präsident Donald Trump oder Fake News. Das ist insofern interessant, weil es in Zeiten von Chemtrails, Fake News und Verschwörungstheorien in der „realen Welt“ irgendwie komisch wirken würde, wenn Akte X bliebe, wie es in den 90ern war. Damals hätten die Macher der Serie wohl nicht im Traum daran gedacht, dass es da draußen noch viel mehr „Mulders“ gibt und dass das Internet diesen Effekt noch verstärkt  hat. Oder, um es mit den Worten von Scully zu sagen:

Vielleicht ist Akte X sogar der Nährboden für spätere Verschwörungs-Spinner im Internet geworden. Daher ist „Der Mandela-Effekt“, Folge 4 der 11. Staffel, eine fast schon satirische Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorien und Akte X selbst.

Der verschwundene X-Agent

Mulder (David Duchovny, l.) Scully (Gillian Anderson, r.) mit dem mysteriösen Reggie (Brian Huskey, M.) © 2018 Fox and its related entities. All rights reserved. / Shane Harvey
Mulder (David Duchovny, l.) Scully (Gillian Anderson, r.) mit dem mysteriösen Reggie (Brian Huskey, M.) © 2018 Fox and its related entities. All rights reserved. / Shane Harvey

Besonders skurril ist dabei, wie sich Verschwörungstheoretiker Mulder und Verschwörungstheoretiker Reggie (Brian Huskey) gegenseitig vorwerfen, Verschwörungstheoretiker zu sein. Mehrfach hören wir Scully und Reggie energisch und zeitgleich zu Mulder sagen: „Es gibt kein Parallel-Universum!“ In der Debatte geht es um den so genannten Mandela-Effekt, bei dem sich Menschen falsch an einen bestimmten Sachverhalt erinnern, beispielsweise an ein Ereignis, das so nie stattgefunden hat. Eine von vielen Erklärung dafür könnten Erinnerungen aus einem Parallel-Universum sein.

Reggie behauptet, dies ginge auch umgekehrt, so dass die Erinnerung der Menschen manipuliert werden kann.  Als Beweis bringt Reggie an, selbst mal Teil der X-Akten gewesen zu sein und Mulder und Scully können sich nun nicht mal mehr an ihren einstigen Partner erinnern.

Preview: „Der Mandela-Effekt“ (S11E04)

Mitten in der Episode spendieren uns die Macher von Akte X einen neuen Vorspann mit der altbekannten Titelmelodie und – deutlich zu sehen – der Ausweis von Reggie als dritten Agenten. Herrlich verrückt!

Der Ausweis von Reggie im zweiten Vorspann der Akte-X-Episode "Der Mandela-Effekt" © 2018 Fox and its related entities. All rights reserved.
Der Ausweis von Reggie im zweiten Vorspann der Akte-X-Episode „Der Mandela-Effekt“ © 2018 Fox and its related entities. All rights reserved.

Reggie glaubt, dass „Sie“ die Erinnerungen von Menschen manipulieren. Dieses unbestimmte „Sie“ war in allen Staffeln von Akte X immer der Platzhalter für mächtige Männer im Hintergrund, die an der Geschichte herumdoktern und die Alien-Invasion planen.

Genau dieses „Sie“ wird in der Folge „Der Mandela-Effekt“ aufs Korn genommen. Denn auf einmal ist das „Sie“ gar nicht so unbestimmt sondern personifiziert in der Figur des Dr. Sie (im Original: Dr. Thaddeus Q. They, Stuart Margolin).

Niemand weiß genau, was die Wahrheit ist

Dr. Thaddeus Q. They (Stuart Margolin, l.) macht Mulder (David Duchovny, r.) bewusst, dass er in einer längst vergangenen Vorstellung von der Welt lebt und heute keiner mehr wüsste, was wirklich die Wahrheit sei ... © 2018 Fox and its related entities. All rights reserved. / Shane Harvey
Dr. Thaddeus Q. They (Stuart Margolin, l.) macht Mulder (David Duchovny, r.) bewusst, dass er in einer längst vergangenen Vorstellung von der Welt lebt und heute keiner mehr wüsste, was wirklich die Wahrheit sei … © 2018 Fox and its related entities. All rights reserved. / Shane Harvey

Der wiederum konfrontiert Mulder mit seiner eigenen Jagd nach „der Wahrheit“, was in einer spannenden Quintessenz mündet.  Laut Dr. Sie lebt Mulder  in einer längst vergangenen Vorstellung von der Welt. Außerdem wisse heute keiner mehr so genau, was wirklich die Wahrheit sei. Er zitiert Donald Trump mit: „Niemand weiß es genau“ und trifft damit einen Kern. Niemand weiß in einer Welt aus Halbwissen, Halbwahrheiten, oberflächlich gelesenen Informationen und Fake News, was denn nun eigentlich wahr und was falsch ist. Mulders Einwurf mit der objektiven Wahrheit hilft da auch nicht weiter und die Suche nach der Mulderschen Wahrheit wirkt auf einmal so sinnlos.

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Dr. Sie outet sich als Fake-News-Fälscher, indem er behauptet, Fakten als Fake News in die Welt zu setzen und so letztendlich alle inklusive dem Zuschauer der Folge zu verwirren. (Im Deutschen liegen Fakt und Fake so schön dicht beieinander, fällt mir beim Schreiben auf.)

Die Folge enthält noch mehr mehr oder wenig offensichtliche Kritik. In Rückblenden des Lebens von Reggie wird er als CIA-Agent dargestellt, wie er beim Verhör jemand mit Wasser übergießt (Waterboarding-Debatte) oder als schlafender Mitarbeiter der Börsenaufsicht.

Am Ende entpuppt sich Reggie als ausgebrochener Psychatrie-Insasse und wird in einer Zwangsjacke mit einem Ghostbusters-Krankenwagen in das „Spotnitz Sanatorium“ (in Erinnerung an den ehemaligen Akte-X-Produzenten Frank Spotnitz) gebracht.

War am Ende die ganze Aufregung um manipulierte Erinnerungen und Gruppen-Manipulation umsonst? Es wäre nicht Akte X, wenn nicht auf einmal Director Skinner um die Ecke käme und fragte, wo man denn den Kollegen Reggie hinbringe…

Fazit

„Der Mandela-Effekt“ ist eine wunderbare Hommage an Akte X selbst, bringt Fans zum Lachen und jeden Zuschauer gleichzeitig zum Nachdenken. Denn so irre die Folge um Erinnerungsmanipulation mit ihren ganzen Rückblenden und satirischer Selbstreflexion ist, so viel Ernsthaftigkeit steckt auch in ihr.

Denn die Suche nach der Wahrheit gestaltet sich auch in der realen Welt als zunehmend schwierig. Nicht umsonst erklärt Dr. Sie, wie er durch den einfachen Upload von Videos ins Netz eine alternative Wahrheit schafft, die Leute da draußen glauben. Die Folge spielt darauf an, dass es gar nicht nötig ist, Erinnerungen zu manipulieren. Gesessen hat der Satz von Dr. Sie: „Das mag im Moment die Wahrheit sein.“ Dem Zuschauer wird klar, dass im Jahr 2018 die Wahrheit nur relativ ist. Insofern ist aus dem Verschwörungs-Gag der Serie der 90er ein bitterer Trend geworden. Dementsprechend ist es auch nur konsequent, dass in einer der letzten Szenen eine Ufo-Landung gezeigt wird, in dem ein Außerirdischer den verdatterten Mulder, Scully und Reggie klar macht, man will mit den Menschen nichts zu tun haben und würde eine Mauer um die Erde bauen. Autsch.

„Der Mandela-Effekt“ zählt mit zu den besten Folgen der 11. (und vermutlich letzten) Staffel von Akte X. Jeder Fan sollte diese gesehen haben, denn sie enthält so wunderbare Erinnerung an vergangenen Jahre mit Akte X. Oder gab es diese Serie niemals?

Akte X: „Der Mandela-Effekt“ online anschauen:

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Review overview

Story10
Humor9
Für Scully-Fans8.5
Für Mulder-Fans9
Fandom-Faktor9
Monster-of-the-Week-Faktor8

The Pros

  • Story
  • Rückblicke
  • Dialoge
  • Witze
  • Special Effects

3 Kommentare

  • Eine Klasse Folge! Selbstironie … viel Diskussionsstoff für gesellschaftskritische Bürger (Fake News zur Zerstreuuung? Fake Fake News zur Aufklärung?).

    Ist Euch aufgefallen, dass in Episode 11-02 (Dieses Leben, jenes leben) der gute Reggie für ca 0,8 Sekunden zu sehen ist? Habe die Folge letztens nochmal angesehen und traute meinen Augen nicht. Ca. in der Mitte der Folge gehen Scully und Mulder in Skinners Büro. Skinner blättert einige X-Akten auf dem Notebook durch … ein Bildschirmauschnitt zeigt den Ausweis von Reggie (ohne Namensangabe).

  • Folgender Text ist nur für Sinnsuchende, Philosophieinteressierte und Quantenphysiker sinnvoll, die aber die Folge zum Verständnis nicht kennen müssen:
    Auch wenn ich persönlich die Folge im Einzelnen für zu lächerlich halte, macht sie in Relation zu den anderen, doch sehr ernsten Folgen, vollkommen Sinn! Mich persönlich regte sie aber über ihren Sinn hinaus, mal wieder zum Nachdenken über die Welt, in der wir uns physikalisch befinden, an! In Anbetracht der Heißenbergschen Unschärferelation und der Quantenphysik im Allgemeinen ist die materielle Welt, sowie unser Körper, nur eine Manifestation unserer Gedanken. Es gibt daher auch keine feste Vergangenheit und keine feste Zukunft. Deswegen lag Einstein, obwohl er sonst wissenschaftlich immer Recht behielt, bei der Aussage „Ich glaube, dass der Mond auch da ist, wenn ich nicht hinsehe!“ falsch. Die Welt in der wir leben, ist abhängig von der tief unterbewussten Vorstellung der in ihr lebenden Wesenheiten! Genauso, wie in dieser Folge in etwa dargestellt, würde es aussehen, wenn man die Fähigkeit hätte, dieses „System“ in leichter Form zu hintergehen. Der Mandela-Effekt könnte schlichtweg die teilweise Erinnerung an die wahre und eigentlich tatsächlich stattgefundene Realität sein. Denn im Normalfall kann sich jeglicher Geist nur an die aktuelle Vergangenheit erinnern und nicht mehr an die zuvor tatsächlich stattgefundene Vergangenheit. Mittels neuer Manifestation von Gedanken aller Wesenheiten dieses Lebens, hat sich diese Realität nachträglich geändert und somit auch jegliche Dokumentation darüber. Am Ende würde man sich fühlen, wie Scully und Mulder hier in dieser Folge, die alles, was sie zu wissen glauben, plötzlich so nicht mehr in der Realität wiederfinden! Allerdings sollten derartige Wahrnehmungen in der Realität eher weniger stattfinden und der Mandela-Effekt eher eine Ausnahme sein. Abschließend ist also jedes Streben nach Irgendetwas einfach nur ein Resultat aus der inneren Einstellung.
    Am Ende stellt Scully fest, dass sie das Gefühl von damals, als sie mit ihrer Mutter den Pudding aß, nicht zurückholen kann. Hier wird dem Zuschauer mehr oder minder klar, dass es eigentlich nur darum geht, den Moment zu leben und gemeinsam zu genießen und nicht ständig in alten Erinnerungen zu verharren!
    Ein guter Beginn, die äußere Welt wirklich mitzugestalten, folgt also immer erst mal aus der vollen Wahrnehmung der Gefühlsgegenwart. Dies war meine ganz eigene Interpretation des Endes, die vielleicht auch ganz unabhängig von der Intention des Autors ist.
    Das waren meine abschließenden Gedanken zu der Folge!

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